Stadtverband der Gartenfreunde Dessau e.V. Dessau, 01.02.2018
Fachberater
Thema: Gärtnern ohne Chemie

Allein in häuslichen Gärten und Kleingärten werden in Deutschland rund 4500 Tonnen Pflanzenschutzmittel auf die Umwelt losgelassen. Etwa die Hälfte davon dient der Unkrautbekämpfung, gefolgt von Insektengiften. Oftmals geht es allerdings auch ohne chemische Keule. Der beste Weg ist die Vorbeugung. Gezieltes Mulchen und Kompostieren sorgen für kräftige, gesunde Pflanzen. Ebenso ein Fruchtwechsel und Mischkultur im Gemüsebeet. Wer nützliche Insekten und Vögel fördert (Nistkästen, Altholz) besorgt sich eine Leibgarde, die Schädlinge kurzhält. Die Pflanzen sollten zum Standort passen (Licht, Feuchtigkeit, Bodenbeschaffenheit).
In diesem Beitrag soll auf alternative Möglichkeiten zur Schädlingsbekämpfung hingewiesen werden.
Man sollte sich natürlich darüber im Klaren sein, dass pflanzliche oder selbst hergestellte Mittel nur zur Begrenzung des Schadens und seiner Verursacher auf ein erträgliches Maß führen.
Das heißt, mit Schädlingen und Krankheiten zu leben und zu akzeptieren, wenn keine „Superfrüchte“ wachsen.

1. Vorteile:
• Anwendung vorbeugend, stärkend und kräftigend.
• Durch erhöhte Widerstandskraft kann ein etwaiger Befall schnell überwunden werden.
• Jauchen sind Flüssigdünger und bei starker Verdünnung auch als Blattdünger verwendbar.
• Die Wirkstoffe können Schädlinge abschrecken und vertreiben.
• Im Handel ist ein umfangreiches Angebot, auch getrockneter Kräuter, vorhanden.

2. Grenzen:
• Es kann Ärger mit den Gartennachbarn geben, wegen des Geruchs, den Jauchen ausströmen und wegen der „Kultivierung von Unkräutern“.
• Die Verfügbarkeit von Brennnesseln, des Wurzelunkrautes Schachtelhalm usw. aus dem eigenen kleinen Garten ist beschränkt.
• Da die Wirkung von Brühen und Jauchen nicht lange anhält; damit wird eine größere Menge Spritzbrühe und pflanzliches Ausgangsmaterial benötigt.
• Im Handel erworbene Pflanzenhilfsmittel sind teuer.

Jauchen aus:
Holunderblätter, Tomaten 
                          – Schnecken, Schadinsekten
Brennnessel, Rhabarber                              – wirken ätzend auf Schädlinge
Zwiebel, Knoblauch, Kapuzinerkresse           – können Krankheitserreger abtöten oder in ihrer Entwicklung hemmen.

Übersicht pflanzliche Spritz – u. Gießmittel

                         Jauche        Brühe,        Tee         Kaltwasserauszug

Bestandteile:         frische, oder getrocknete, zerkleinerte Kräuter mit Regenwasser oder
                            abgestandenem Wasser übergießen. 10l Wasser /1kg frische. oder.
                            200g getrocknete. Pflanzen
Ansatzmethode:     Ansetzen 24h einweichen, kochendes Wasser 24h—3 Tage ziehen
                            14 Tage gären ca. 30min aufkochen/sieden, dann abziehen

Ausbr./Verhältnis: 1:20/ 1:50 (Blattdüngung) bzw. 1:10 -1:20; unverdünnt 1:1

Anwendungen        Düngung      Vorbeugung/Abwehr      Pflege/Kompostzus./Bodenpfl.
                            Abwehr        Blattdünger

Anwendungsmöglichkeiten:
Ackerschachtelhalm        Zimmerpflanzen -- Pflanzenstärkung/Pilzabwehr
Birke                               Schorf an Früchten u. Blättern
Eiche                              (Blätter, Rinde) beißende u. saugende Insekten. Unverdünnt Ameisen
Farn                                trocken 200g auf 10l Wasser – Blattläuse, Schnecken, Rost
Holunderblätter                 Wühlmäuse vertreiben
Knoblauch                        Pilzerkrankungen
Kräutermischungen            zur Pflanzenstärkung – unverdünnt gießen

Tabelle zur Anwendung von Brühen, Jauchen und Tees

Ameisen Majoran,                                Thymian
Beißende und saugende Insekten,           Ameisen Eiche
Blattläuse, Kohlweißling Raupen,             Säulenrost Wermut
Blattläuse, Rost, Schnecken,                 Blutläuse Farnkraut
Blutläuse,                                           Kapuzinerkresse
Düngung                                            Beinwell
Erdflöhe,                                            Stärkung Kohl
Erdraupen,                                          Salbei Ysop Thymian
Kohlweißling,                                       Tomate
Lauchmotte, Braunfäule,                        Blattläuse Rhabarber
Monilia,                                               Meerrettich
pflanzenstärkend,                                 Ringelblume
pflanzenstärkend,                                 Rasen Rote Beete
Pilzerkrankungen,                                 Schafgarbe Zwiebel
Saatgutbeize,                                      Kamille
Schädlinge an Zimmerpflanze,                 Basilikum
Schildläuse,                                         Oregano
Schorf,                                               Birke
verschiedene Schädlinge,                       Rainfarn
Wühlmäuse,                                         Holunder
Zur Verbesserung der Fruchtqualität,        Löwenzahn

Weitere Tipps:

• Gesteinsmehl zur Rindenbehandlung: Schorfiges Rindengewebe entfernen, Anstrich
anfertigen (1/3 Gesteinsmehl, 1/3 Algenkalk, 1/3 Kuhdung und Kräutersubstanzen), im
Oktober sowie im Januar / Februar auftragen zum Schutz vor Insekten, Frostrissen
und zur Ernährung der Rinde.

• Wühlmausvergrämung: geruchsintensive Wirkstoffe z. B. Zwiebeln, Knoblauch,
Holunder durch den Fleischwolf geben, das Mus mit Gesteinsmehl vermengen, Paste
löffelweise ins Gangsystem geben.

• Dieser Nützling vertilgt nicht nur verwesende Pflanzenteile und tote Tiere, sondern
auch die Eier der Spanischen Wegschnecke. Er soll die Tiere sogar angreifen.
Tigerschnegel sollten also auf keinen Fall bekämpft werden. Das gilt beispielsweise
auch für die geschützten Weinbergschnecken und Bänderschnecken.

• Letzter Hinweis: Pflanzenschutz mit „Bacillus thuringieensis -zugel. XenTari“

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